Werk

Carl Schuchs Werk war damals nur engsten Freunden bekannt. Finanziell unabhängig, hatte er zeitlebens nur ein einziges Bild ausgestellt und kein einziges verkauft. – Seit der Deutschen Jahrhundertausstellung 1906, die sein «Selbstbildnis», den «Hummer» und anderes zeigte, war Schuchs Werk in aller Munde. Seither gilt er als Maler des Leibl-Kreises. Sein Werk ist damit eher schlecht als recht eingeordnet, denn die Leibl-Episode fand 1876 mit Schuchs Übersiedlung nach Venedig ihr Ende. Und spätestens seit seiner Niederlassung in Paris im Herbst 1882 knüpfte er an die französische Tradition an, an Corot, Courbet, Daubigny. Bei Manet und den Impressionisten fand er zugleich Denkanstöße, die sein Schaffen in neue Bahnen lenkten. Schon vorher strebte er weg von der Wiedergabe sichtbarer «Realität», sei sie noch so authentisch – hin zur, wie er selbst formulierte, «ätherischen Essenz der Erscheinung».
Von Anfang an war es die Farbe, der Schuchs Aufmerksamkeit galt. Wie seine Notizen belegen, erwiesen sich bewährte Rezepte älterer und anderer als Sackgassen, das Studium verehrter Meister als zweischneidig. 1885 formulierte er schließlich Prinzipien, die ihm zum Durchbruch zu einer Malerei verhalfen, die er bereit war als seine eigene zu betrachten. Im Zentrum seiner Überlegungen stand fortan die «koloristische Handlung», die den 1889 von Maurice Denis formulierten Ordnungsruf vorwegnimmt, ein Gemälde sei zunächst einmal eine nach willkürlichen Kriterien geordnete Fläche. Denis und vorher Schuch entzogen damit der Malerei den Anspruch, Realität abzubilden – an ihre Stelle trat deren Interpretation.